Abend am Berg
Ein Abend, nach Regenschauern so kühl,
verglühte im letzten Licht,
das goldig aus dem Wolkengefühl
in tropfende Zweige bricht.
Der Bergwald, den ich stille durchgeh,
atmet in tiefster Ruh’,
aus Himbeergeränke tritt ein Reh
und äst der Höhe zu.
Vom Tale steigel Glockengeläut’
verträumt in die kommende Nacht.
Und Alpenrosen, hingestreut,
blühen in purpurner Pracht.
Schon bin ich überm Wald empor
und schau das heut’ge Ziel:
Die Hütte klein, den See davor
im leisen Wellenspiel.
Friede, ach Friede! Wie reich bin ich!
Ein König in einsamer Welt!
Da ich dem Treiben der Menschen entwich,
hab’ ich dem Berg mich gesellt.
Glockengeläute, rotes Reh,
goldener Abendschein,
blühende Rosen, dunkler See
schließen die Sinne mir ein.