Rose am See
Ruhte da eine Rose,
weiß, ach weißer wie Schnee,
einzige lichte Blüte
am weiten, weiten See.
Fuhr ich in meinem Nachen
still, so stille dahin,
kam mir die weiße Rose
nimmermehr aus dem Sinn.
Wollte ich wieder zurücke,
peitschte der Sturmwind her,
rauschte der Regen nieder,
fand ich die Blume nicht mehr.
Leuchtete wieder ein Morgen,
sonnenvergoldet und rein,
löste ich frühe mein Schifflein,
trieb’s in die Wellen hinein.
Lange war ich gefahren,
kannte nicht Rasten noch Ruh,
fluteten schmutzigweiße,
zerrissene Blätter mir zu.
Sprach ich mit bangem Herzen,
sprach ich im tiefsten Weh:
„Bist doch so herrlich gewesen,
einzige Blume am See!
Du hast in heiliger Reine
die Seele mir bewegt,
hast in der Nächte Träume
Rosen hineingelegt.
Heute nun treibst du so trübe,
da deine Blüte verdarb!
Ach, daß die heißeste Liebe
immer am jähesten starb!”