An einer Wiege

Wenn ich ein Kindlein seh’,
das jüngst zur Welt gebracht,
im weichen Linnenschnee
eben erst aufgewacht,
dann möcht ich allemal
demutsvoll niederknien
und es in Lust und Qual
in meine Arme ziehn.
Lust, weil es Unschuld ist,
Wunder aus Gottes Hand,
weil es im Traum vergißt,
was es im Wachen fand.
Qual, weil noch keiner weiß,
was es an Leid erträgt,
wieviel dies Herze heiß
blutend in Schmerzen schlägt.
Mir ist so weh, so weh
und wieder wohl zumut’.
Kindlein im Linnenschnee,
bin dir so gut.