Die Wetterfichte
Es steht auf kargem Felsgestein
ein einz’ger, alter Baum:
die Wetterfichte, — ganz allein
hoch überm Waldessaum.
Wohl viele Stunden saß ich da,
an ihren Stamm gelehnt,
und habe, wenn mir Leid geschah,
nach Stärke mich gesehnt.
Die Rinde ist vom Blitz zernarbt,
zerfurcht und schwarzgebrannt.
Nur kurz geblüht, jahrlang gedarbt,
so hat sie es gekannt.
Und doch steht sie in dunklem Grün
seit undenkbarer Zeit
und breitet ihre Äste hin
gar schwer und stolz und weit.
Sie sah den Wald im Tal erstehn,
der dann von Menschen fiel,
Geschlechter sah sie kommen, gehn,
im stefen Lebensspiel.
Die Stürme haben sie umbraust
in eis’ger Winternacht,
der Adler auch hat hier gehaust
und Beute sich gemacht.
Dann wieder lag im reinsten Glanz
das weiße Höhenrund.
Ein Traum von Licht! Ein Farbenkranz
von Früh zur Abendstund.
Allein und hart! Das ist ihr Los,
die Gnade wohl des Herrn.
Allein und hart! So ward sie groß
und stark und tiefenfern.