Mein Vater
Ich ging mit dir durch den jungen Tag,
perlengleich glänzte der Tau.
In goldiger Morgensonne lag
der Fluß, die Wiese, die Au.
Es war wie ein Märchen, bei dir zu sein
im weiten, blumigen Feld.
In einer einzigen Blüte klein
zeigtest du eine Welt.
Ich stand mit dir im Sternenschein
und träumte wie du in die Nacht,
da hat dir vom Himmel ein Engelein
sein Lied, seine Worte gebracht.
Du sprachest sie! Wie Stromesrauschen
gewaltig, schwer und hart.
Dann wieder war’s ein Kinderplauschen,
so wunderlieblich zart.
Du lehrtest mich eines: Die Einsamkeit
als größtes Glück zu sehn
und jauchzend in Freude, stille im Leid
alleine durchs Leben zu gehn.
In allem warst du den Menschen so ferne,
Gott so unendlich nah!
Vergib es mir, Vater! Ich wollte gerne,
daß ich es früher sah.
Wie hätte ich deine Hände genommen,
hätt’ sie in Tränen geküßt.
Und stammelnd wär’s von den Lippen gekommen,
was für ein Vater du bist.
So deckt dich die Erde, lind und weich,
und ich muß stilleschweigen
und kann — im Herzen dein Himmelreich -
dankbar das Haupt nur neigen.