Die einen, die andern
Die einen, sie gehen im Sonnenscheine
durch Blumengärten und Frühlingsträume —
und sehen es nicht.
Die Augen sind müde und senken die Lider,
brennend blicken zu Boden sie nieder:
Sie kennen kein Licht.
Die andern, sie wandern auf steinigen Wegen;
und wenn nur ein Blümlein am Rande gelegen,
so bleiben sie stehn.
Kommt dann ein Sonnenstrahl leise gesunken,
sie breiten die Arme — freudetrunken —
und müssen ihn sehn.
Die einen, sie hängen am Menschengetriebe,
werden umhegt in Freude und Liebe
mit jedem Blick.
Und trinken doch immer nur Schaum des Lebens!
Jammern und klagen und suchen vergebens
nach wirklichem Glück.
Die andern, sie blicken in Leid vergessen
über die Erde. Niemand kann messen
den Strom von Blut.
Kommt dann ein Mensch mit heiligem Herzen,
der ihnen teilet die Not und die Schmerzen, —
wie wohl das tut!
Die einen, sie werden im Blütenwinde
umschmeichelt, umkost, ganz zart und gelinde,
mitten im Mai.
Und frieren! Und eilen zum heimischen Herde,
daß ihnen Wärme und Labsal werde, —
und sterben dabei!
Die andern, sie stehen im Sturmestoben,
in Eis und Schnee am Gipfel oben
und öffnen die Brust.
Mögen die Wetter zusammen sich türmen,
sie leben! Und kämpfen mit strahlenden Stirnen
und jauchzen vor Lust.